Wenn eine Innentür nach neuem Bodenbelag schleift, nicht mehr sauber ins Schloss fällt oder über die Fliesen kratzt, liegt die Lösung meist in drei Punkten: Türblatt kürzen, Bänder einstellen und Schließblech kontrollieren.
Auf einen Blick
- Typisches Problem: Nach Laminat, Parkett, Vinyl oder Fliesen ist der Boden 4 bis 18 mm höher als vorher, die Tür hat unten keinen ausreichenden Luftspalt mehr.
- Praxismaß: Unter normalen Zimmertüren sind 3 bis 7 mm Luft sinnvoll. Bei Bad, Küche oder Räumen mit Lüftungskonzept kann mehr notwendig sein.
- Kosten: Türblatt selbst kürzen ab etwa 15 bis 45 € Material und Werkzeugzubehör, Tischler vor Ort meist 80 bis 180 € pro Tür, neue einfache CPL-Innentür ab etwa 90 bis 220 € ohne Zarge.
- Wichtig in Mietwohnungen: Vor dem Absägen schriftlich den Vermieter fragen. Das Kürzen ist eine bauliche Veränderung am Türblatt.
- Deutsche Realität: In Altbauwohnungen sind Zargen oft verzogen, im Plattenbau sind Stahlzargen verbreitet, in Eigentumswohnungen kann die Wohnungseingangstür zusätzlich WEG-relevant sein.
Aus meiner Praxis ist die häufigste Fehlentscheidung: sofort zur Säge greifen. Oft schleift die Tür nur an einer Ecke, weil das Band verstellt ist oder das Türblatt abgesackt ist. Dann reichen 10 Minuten Einstellen, statt 12 mm unnötig abzuschneiden.
Wer parallel Boden und Türen plant, sollte auch an Übergänge, Sockelleisten und Dehnfugen denken. Passend dazu: Bodenübergänge zwischen Räumen sauber planen und Innentüren und Zargen im Bestand beurteilen.
| Maßnahme | Wann sinnvoll? | Typische Kosten |
| Bänder einstellen | Tür schleift nur an einer Ecke oder fällt aus dem Schloss | 0 bis 25 € bei Eigenleistung, 60 bis 120 € Handwerkerpauschale |
| Türblatt kürzen | Boden ist insgesamt höher, Tür schleift über die ganze Breite | 15 bis 45 € Zubehör selbst, 80 bis 180 € durch Tischler |
| Schließblech nacharbeiten | Falle trifft nicht mehr sauber, Tür muss hochgezogen werden | 5 bis 30 € selbst, 60 bis 140 € Fachbetrieb |
| Neue Tür | Tür ist hohl, stark beschädigt oder bereits mehrfach gekürzt | 90 bis 220 € einfache CPL-Tür, 250 bis 600 € mit Montage |

Vor der Arbeit: Ursache genau prüfen statt blind absägen
Bevor Sie eine Innentür kürzen, prüfen Sie zuerst, wo sie schleift. Legen Sie ein Blatt Papier unter die Tür und bewegen Sie das Türblatt langsam. Klemmt das Papier nur auf der Bandseite, hängt die Tür schief. Klemmt es über die ganze Breite, ist der neue Bodenaufbau tatsächlich zu hoch. Bei Laminat mit Trittschalldämmung kommen schnell 10 bis 14 mm Aufbauhöhe zusammen, bei Fliesen im Altbau mit Ausgleichsmasse auch 15 bis 25 mm.
Kontrollieren Sie außerdem die Fugenbilder. Oben zwischen Türblatt und Zarge sind meist etwa 2 bis 4 mm Luft üblich. Seitlich sollten die Spalten ähnlich gleichmäßig sein. Wenn die Tür oben auf der Schlossseite fast anliegt und unten auf der Bandseite schleift, ist sehr wahrscheinlich das obere Band zu weit herausgedreht oder das untere Band zu weit hinein.
Bei vielen deutschen Innentüren sitzen zweiteilige oder dreiteilige Bänder in Holzzargen. Das Türblatt kann ausgehängt und die Bandteile können durch Drehen justiert werden. Eine halbe bis ganze Umdrehung verändert die Lage sichtbar. Bei älteren Altbauzargen aus Holz ist Vorsicht nötig, weil alte Schrauben und Bandtaschen ausgeleiert sein können. Bei Stahlzargen, häufig in Plattenbau und Zweckbauten, ist die Justage je nach Bandtyp eingeschränkt.
Wichtig ist auch die Türart. Eine einfache Wabenkern-Tür aus dem Baumarkt lässt sich nicht beliebig kürzen. Unten sitzt oft nur ein schmaler Massivholzriegel. Werden 20 oder 30 mm abgesägt, kann die stabile Unterkante weg sein. Röhrenspantüren sind robuster, Vollspantüren und Massivholztüren noch besser bearbeitbar, aber schwerer. Bei Wohnungseingangstüren, Brandschutztüren und Schallschutztüren gilt: nicht eigenmächtig kürzen. Hier können Zulassung, Dichtungen, Schallschutz und Einbruchhemmung betroffen sein. DIN 18101 und DIN 18111 sind im Bestand vor allem für Türblatt- und Zargenmaße relevant, ersetzen aber keine Prüfung der konkreten Tür.
In einer 55 m² Altbauwohnung in Leipzig wurde nach dem Verlegen von 14 mm Fertigparkett eine Schlafzimmertür auffällig schwergängig. Die erste Vermutung war: 15 mm abschneiden. Tatsächlich war das untere Band lose, die Tür hing etwa 5 mm ab. Nach dem Nachziehen der Bandschrauben und einer halben Umdrehung am oberen Band reichten 4 mm Kürzung aus. Das spart Substanz und sieht sauberer aus.
Werkzeug, Material und Kosten realistisch kalkulieren
Für eine sauber gekürzte Innentür brauchen Sie kein komplettes Schreinerfahrzeug, aber gutes Werkzeug macht den Unterschied. Eine Stichsäge für 30 € aus der Aktionsware kann funktionieren, produziert aber an beschichteten CPL- oder HPL-Oberflächen schnell Ausrisse. Besser ist eine Handkreissäge mit Führungsschiene oder eine Tauchsäge. Wer keine besitzt, kann sie vielerorts für etwa 20 bis 40 € pro Tag mieten.
Für Eigenleistung sollten Sie realistisch mit folgenden Posten rechnen: feines Sägeblatt für beschichtete Platten 8 bis 18 €, Malerkrepp oder Gewebeband 3 bis 8 €, Schleifpapier 4 bis 10 €, Klarlack oder Kantenversiegelung 8 bis 18 €, eventuell ein Türheber 10 bis 25 €. Wer die Unterkante mit einer kleinen Leiste stabilisieren muss, zahlt für eine passende Holzleiste und Leim etwa 8 bis 20 €. Insgesamt liegen einfache Arbeiten bei 15 bis 45 €, wenn Säge und Böcke vorhanden sind.
Ein Tischler oder Schreiner berechnet je nach Region, Anfahrt und Türtyp meist 80 bis 180 € pro Innentür. Kommen mehrere Türen zusammen, sinkt der Stückpreis oft, weil Anfahrt und Einrichten nur einmal anfallen. In Ballungsräumen wie München, Hamburg oder Frankfurt können auch 200 € pro Tür realistisch sein, besonders wenn Türen abgeholt, in der Werkstatt geschnitten und wieder eingebaut werden.
Nach meiner Erfahrung lohnt sich der Fachbetrieb besonders bei lackierten Türen, stumpf einschlagenden Türen, Glastüren, schweren Vollspantüren und Türen mit Bodendichtung. Eine falsch gekürzte Standardtür ist ärgerlich, aber ersetzbar. Eine beschädigte Sondertür mit passender Zarge kann schnell 400 bis 900 € kosten.
Planen Sie außerdem Zeit ein. Eine Tür ausheben, messen, abkleben, sägen, schleifen, versiegeln und wieder einhängen dauert bei ruhiger Arbeit etwa 60 bis 120 Minuten. Bei der ersten Tür eher länger. Für fünf Türen in einer Wohnung ist ein halber bis ganzer Samstag realistisch. Mehr zum sauberen Arbeiten im Bestand: Renovieren in bewohnten Wohnungen ohne Chaos.
Tür kürzen und einstellen: Schritt für Schritt im Bestand
Zuerst markieren Sie den tatsächlichen Bedarf. Öffnen und schließen Sie die Tür mehrfach. Messen Sie den höchsten Punkt des neuen Bodens, nicht nur eine Stelle. Gerade Altbau-Dielen, Fliesenübergänge und unebene Estriche können 3 bis 8 mm Unterschied innerhalb einer Türbreite haben. Als Ziel sollten unten mindestens 3 mm Luft bleiben, bei unebenem Boden eher 5 bis 7 mm. In Bad oder Küche kann der Luftverbund für Lüftung wichtig sein, besonders wenn innenliegende Bäder über einen Abluftventilator verfügen.
Hängen Sie das Türblatt aus. Bei leichten Innentüren genügt meist eine zweite Person oder ein Türheber. Legen Sie die Tür auf zwei stabile Böcke, am besten mit Decken gegen Kratzer. Markieren Sie die Schnittlinie mit Bleistift und langer Schiene. Kleben Sie die Schnittzone beidseitig mit Malerkrepp ab. Bei beschichteten Oberflächen sägen Sie möglichst mit Führungsschiene und passendem Feinzahnblatt. Die Sichtseite sollte je nach Sägetyp so liegen, dass Ausrisse minimiert werden.
Schneiden Sie lieber knapp und prüfen Sie danach. Wer 12 mm benötigt, kann zuerst 9 oder 10 mm abnehmen und anschließend nacharbeiten. Nach dem Schnitt wird die Unterkante mit 120er und 180er Schleifpapier gebrochen. Das bedeutet: keine scharfe Kante stehen lassen, sondern minimal anfasen. Danach die Unterkante versiegeln, besonders bei Türen in Badnähe, Küche oder Eingangsbereichen. Offene Spanplatte saugt Feuchte auf und kann aufquellen.
Bei Wabenkern-Türen prüfen Sie nach dem Schnitt, ob unten noch ein stabiler Riegel vorhanden ist. Falls nicht, muss eine passende Holzleiste eingeleimt werden. Das ist keine Schönheitsfrage, sondern Stabilität. Die Leiste sollte stramm sitzen, vollflächig verleimt und bis zur Trocknung gepresst werden. Für eine Mietwohnung ist das nur nach Zustimmung empfehlenswert.
Nach dem Kürzen folgt die Einstellung. Hängen Sie die Tür ein und kontrollieren Sie das Fugenbild. Schleift sie oben oder seitlich, drehen Sie die Bänder vorsichtig. Meist gilt: Bandteil am Türblatt weiter eindrehen zieht das Türblatt näher zur Bandseite, herausdrehen schiebt es weg. Arbeiten Sie in kleinen Schritten, zum Beispiel halbe Umdrehungen. Markieren Sie die Ausgangsposition mit einem Bleistiftpunkt, dann kommen Sie bei Bedarf zurück.
Wenn die Tür zwar frei läuft, aber nicht sauber schließt, prüfen Sie Falle und Schließblech. Manchmal sitzt die Falle nach der Bandkorrektur 1 bis 2 mm zu hoch oder zu tief. Das Schließblech kann bei Holzzargen minimal versetzt oder die Öffnung vorsichtig mit Feile nachgearbeitet werden. Nicht grob mit dem Schraubendreher ausbrechen, sonst hält später die Schraube nicht mehr. Bei Stahlzargen ist Nacharbeiten schwieriger und sollte sauber mit Metallfeile erfolgen.

Mietwohnung, Eigentum und Sonderfälle: was erlaubt ist
In der Mietwohnung gehört das Türblatt in der Regel zur Mietsache. Auch wenn Sie den Bodenbelag mit Zustimmung erneuert haben, ist das Kürzen der Türen nicht automatisch erlaubt. Holen Sie vor dem Absägen eine kurze schriftliche Zustimmung ein, zum Beispiel per E-Mail. Wichtig sind Umfang und Rückbaufrage: Wie viele Türen, wie viele Millimeter, durch wen ausgeführt? Bei Auszug kann sonst Streit entstehen, ob die Türen beschädigt wurden.
Bei Eigentumswohnungen ist zwischen Innentüren innerhalb der Wohnung und Wohnungseingangstür zu unterscheiden. Normale Zimmertüren sind Sondereigentum. Die Wohnungseingangstür kann jedoch wegen einheitlicher Optik, Brandschutz, Schallschutz und Sicherheit die WEG betreffen. In vielen Gemeinschaften darf sie nicht ohne Beschluss verändert oder ersetzt werden. Besonders bei Brandschutz- oder Rauchschutztüren ist Kürzen ein klares Risiko.
Bei Neubauten nach aktuellem energetischem Standard und Lüftungskonzept kann der Türunterschnitt Teil des Luftverbunds sein. Das hängt mit nutzerunabhängiger Lüftung und Feuchteschutz zusammen. Das Gebäudeenergiegesetz, kurz GEG, schreibt nicht den einzelnen Türspalt in Ihrer Wohnung vor, aber moderne dichte Gebäude funktionieren anders als zugige Altbauten. Wenn Lüftung über Überströmbereiche geplant wurde, darf man Türspalte nicht beliebig verkleinern, etwa durch nachträgliche Dichtprofile oder hohe Schwellen.
Bad- und WC-Türen verdienen besondere Aufmerksamkeit. Wenn die Tür nach neuem Boden nur noch 1 mm Luft hat, kann der Abluftventilator schlechter nachströmen. Dann steigt das Risiko von Feuchteschäden. In der Praxis zeigt sich, dass 7 bis 10 mm Türluft bei innenliegenden Bädern oft sinnvoller sind als ein optisch perfekter Mini-Spalt. Bei Schallschutzwünschen muss man dann gezielt mit Überströmöffnungen oder geeigneten Türlösungen planen, nicht einfach alles abdichten.
Auch Fußbodenheizung spielt eine Rolle. Beim Bohren an Schließblechen eher unkritisch, aber beim Montieren von Bodentürdichtungen oder Stoppern am Boden muss klar sein, wo Leitungen liegen. In Mietwohnungen und Neubauten ohne Leitungsplan sollte man keine tiefen Bodenbohrungen setzen.
Fazit
Eine schleifende Innentür nach Bodenwechsel ist meist gut lösbar, aber die Reihenfolge entscheidet über Ergebnis und Kosten. Erst prüfen, dann einstellen, erst zuletzt kürzen. So bleibt das Türblatt stabil, die Optik sauber und der Ärger mit Vermieter oder WEG gering.
- Ja/Nein-Check: Schleift die Tür nur an einer Ecke? Dann zuerst Bänder einstellen.
- Ja/Nein-Check: Schleift sie über die ganze Breite? Dann Türluft messen und Kürzung planen.
- Ja/Nein-Check: Ist es eine Mietwohnung? Vor dem Kürzen schriftliche Zustimmung holen.
- Ja/Nein-Check: Ist es eine Wohnungs-, Brand-, Rauch- oder Schallschutztür? Nicht selbst kürzen.
- Ja/Nein-Check: Ist die Tür hohl oder sehr günstig? Prüfen, ob nach dem Schnitt noch ein unterer Riegel vorhanden ist.
- Ja/Nein-Check: Liegt ein Bad oder innenliegender Raum dahinter? Luftspalt für Nachströmung berücksichtigen.
- Ja/Nein-Check: Fehlt gutes Werkzeug? Lieber Säge mieten oder Tischler beauftragen.
Für einfache CPL-Zimmertüren ist Eigenleistung möglich, wenn sauber gemessen und geführt gesägt wird. Bei hochwertigen, sicherheitsrelevanten oder vermieteten Türen ist der Fachbetrieb meist die günstigere Lösung, weil ein Fehler schnell teurer wird als die Montagekosten.
Häufige Fragen
Wie viel Luft sollte unter einer Innentür bleiben?
Für normale Wohnräume sind 3 bis 7 mm ein praxistauglicher Bereich. Bei unebenen Altbauböden oder innenliegenden Bädern können 7 bis 10 mm sinnvoll sein. Entscheidend ist, dass die Tür frei läuft und die notwendige Luftnachströmung nicht behindert wird.
Darf ich in der Mietwohnung eine Tür einfach kürzen?
Nein, besser nicht ohne Zustimmung. Das Türblatt gehört zur Mietsache. Holen Sie eine schriftliche Freigabe des Vermieters ein, idealerweise mit Angabe der betroffenen Türen und der geplanten Kürzung in Millimetern.
Was kostet es, eine Tür vom Tischler kürzen zu lassen?
Für eine einzelne Innentür liegen typische Kosten bei etwa 80 bis 180 € inklusive Anfahrt und Montage. Bei mehreren Türen kann der Preis pro Tür sinken. Sondertüren, Lacktüren oder schwere Türen können teurer sein.
Kann man jede Innentür kürzen?
Nein. Einfache Wabenkern-Türen haben unten oft nur wenig Massivholz. Brandschutz-, Rauchschutz-, Schallschutz- und Wohnungseingangstüren sollten nicht eigenmächtig gekürzt werden, weil Funktion und Zulassung beeinträchtigt werden können.
Reicht es, nur die Türbänder einzustellen?
Wenn die Tür nur einseitig oder an einer Ecke schleift, oft ja. Sind Bodenbelag und Unterlage insgesamt höher geworden, reicht das Einstellen meist nicht. Dann muss zusätzlich maßvoll gekürzt werden.
Wie vermeide ich Ausrisse beim Sägen?
Nutzen Sie ein feines, scharfes Sägeblatt, kleben Sie die Schnittkante ab und arbeiten Sie mit Führungsschiene. Sägen Sie nicht freihändig quer über das Türblatt. Danach Kante schleifen und versiegeln.
