Warum eine Terrassenüberdachung? Nutzen und Grenzen
Eine gut geplante Terrassenüberdachung schafft nutzbaren Wohnraum im Freien von März bis Oktober. Sie schützt vor Regen, mildert Wind und ermöglicht Beschattung. Im Gegensatz zu Pavillons ist sie sturmsicher verankert, langlebig und wertet die Immobilie auf.
Grenzen: Eine Überdachung ersetzt keinen Wintergarten. Ohne Verglasung an den Seiten bleibt es wind- und temperaturabhängig. Bei Glasdächern steigt die Sonneneinstrahlung - ohne Beschattung wird es im Sommer sehr heiß. Statik und Entwässerung müssen zur Lage passen, sonst drohen Schäden.
Typische Größen in Deutschland: 3 x 3 m für kleinere Terrassen, 5 x 3 m oder 6 x 3 m bei Einfamilienhäusern. Achten Sie auf ausreichende Höhe an der Hauswand: lichte Höhe unter dem Dach ideal 2,2 - 2,4 m, Traufhöhe außen ca. 2,0 - 2,2 m.
| Material | Wartung | Spannweite/Kosten |
| Aluminium | sehr gering, pulverbeschichtet | 3-5 m ohne Mittelstütze, 500-900 EUR/m2 |
| Holz (KVH/BSH) | regelmäßig lasieren/ölen | 2,5-4 m, 300-600 EUR/m2 |
| Stahl, feuerverzinkt | gering, robust | 4-6 m, 700-1200 EUR/m2 |

Planung: Maße, Lastannahmen und Statik
Schneelast, Wind, Neigung
In Deutschland gelten je nach Region unterschiedliche Schnee- und Windlasten. In den meisten Lagen liegt die charakteristische Schneelast zwischen 0,65 - 0,85 kN/m2, im Voralpenland deutlich höher. Planen Sie mit den Werten Ihrer Gemeinde oder fragen Sie einen Statiker, vor allem bei Glasdächern und großen Auskragungen.
- Dachneigung: 5 - 10 Grad bei Glas oder Stegplatten. Das entspricht ca. 9 - 17 cm Höhenunterschied pro Meter.
- Sparrenabstand: 60 - 100 cm je nach Dachmaterial und Profilen.
- Pfostenabstand: 2,5 - 3,5 m sind praxisgerecht. Größere Spannweiten erfordern stärkere Profile oder Stahlträger.
Fundamente und Pfostenträger
Frostsichere Fundamente verhindern Setzungen. Für Punktfundamente sind 80 - 90 cm Tiefe üblich. Dimensionieren Sie je Pfosten mindestens 35 x 35 cm, besser 40 x 40 cm im Aufriss. Bei weichem Boden oder hohen Lasten sind größere Blöcke oder Streifenfundamente sinnvoll.
- Betonqualität: C25/30 als Standard.
- Pfostenträger: höhenverstellbar, korrosionsgeschützt, Verschraubung M12 - M16.
- Exaktes Ausrichten per Schnur, Laser und Diagonalmessung.
Wandanschluss
Die Last wird meist teils in die Hauswand eingeleitet. Bei Wärmedämmverbundsystemen dürfen Sie nicht einfach in die Dämmung schrauben. Nutzen Sie geprüfte Abstandsmontagesysteme, chemische Anker mit Siebhülse in Lochsteinen oder setzen Sie Lastkonsolen auf tragendem Mauerwerk/Beton. Dichtbänder, EPDM-Anschlussprofile und geprüfte Wandanschlussleisten sind Pflicht.
Materialwahl: Dachdeckung, Pfosten, Verbindungsmittel
Dachdeckungen im Vergleich
- VSG-Glas 10 - 12 mm: sehr langlebig, kratzfest, hohe Transparenz. Schwer, gute Statik erforderlich, höhere Kosten. Geräuscharm bei Regen. Optional Sonnenschutzglas.
- Polycarbonat-Stegplatten 16 - 32 mm: leicht, hagelfest, günstiger. Geringere Kratzfestigkeit, kann bei Regen lauter sein. Varianten mit Heatstop/IR-Reflexion reduzieren Aufheizung.
- Acryl/Wellplatten: leicht, preiswert, eher für kleinere Dächer, optisch weniger wertig, begrenzte Lebensdauer.
- Sandwichpaneele: gute Dämmung, opak, geeignet wenn Beschattung gewünscht ist.
Achten Sie auf:
- UV-Beständigkeit und Hagelklasse der Platten.
- Regenwasserführung über eine Dachrinne, saubere Abschlussprofile, Tropfkante.
- Wärmeausdehnung: Gleitlagerung und Spiel bei Polycarbonat einplanen.
Tragwerk: Holz, Aluminium, Stahl
- Holz (KVH/BSH): Querschnitte z. B. 12 x 12 cm oder 14 x 14 cm für Pfosten, Sparren 6 x 16 cm bis 8 x 20 cm je nach Spannweite. Regelmäßig schützen: Lasur, Öl oder deckender Anstrich.
- Aluminium-Systemprofile: präzise, wartungsarm, mit integrierter Entwässerung verfügbar. Gute Option für Glasdächer.
- Stahl feuerverzinkt: schlanke Querschnitte bei großen Spannweiten, pulverbeschichtet für Optik. Planung durch Fachbetrieb empfehlenswert.
Entwässerung und Details
- Dachrinne vorne integrieren oder aufsetzen, Rinnengefälle 3 - 5 mm pro Meter.
- Fallrohr DN75 - DN100 auf eigenes Grundstück ableiten, Versickerung über Sickerschacht oder Zisterne einplanen.
- Wandanschluss: Anschlussprofil mit Kompriband/EPDM, Wasserlauf über Wandblech unter die Fassade abdichten.
Baugenehmigung, Nachbarrecht und Versicherung
Die Genehmigungspflicht variiert je Bundesland und Kommune. Oft sind kleinere Terrassenüberdachungen genehmigungsfrei, wenn Grundfläche, Tiefe und Höhe Grenzwerte nicht überschreiten. Dennoch können Abstandsflächen, Bebauungsplan und Denkmalschutz greifen.
- Abstandsflächen: in vielen Ländern 3 m zur Grundstücksgrenze, Ausnahmen bei Grenzbebauung oder Bebauungsplan.
- Genehmigungsfrei vs. anzeigepflichtig: klären Sie das beim Bauamt, Unterlagen bereithalten (Lageplan, Skizzen, ggf. Statik).
- Statischer Nachweis: bei Glasdächern und großen Spannweiten häufig erforderlich.
- Regenwasser: nicht auf Nachbargrundstück ableiten. Eigenes Entwässerungskonzept nötig.
- Versicherung: Haushaftpflicht/Privathaftpflicht für Schäden durch Schneerutsch, Sturmschäden prüfen.
Fundamente und Montage: Schritt für Schritt
- 1. Aufmaß: Breite, Tiefe, Höhen an der Hauswand. Mindestneigung festlegen. Kabel/Leitungen im Erdreich prüfen.
- 2. Layout: Pfostenpositionen anreißen, Schnurschlag, Diagonalen kontrollieren. Stützenabstand 2,5 - 3,5 m.
- 3. Aushub: Punktfundamente 35 - 40 cm x 35 - 40 cm, Tiefe 80 - 90 cm. Sauber ausschachten, Boden verdichten.
- 4. Betonieren: Schalung setzen, ggf. leichte Bewehrung einlegen. C25/30 einbringen, Oberfläche waagerecht abziehen.
- 5. Pfostenträger: justierbare Anker vor dem Abbinden exakt fluchten, Gewindestangen senkrecht ausrichten.
- 6. Wandträger: Lastkonsole/Tragbalken mit chemischen Ankern M12 - M16 in tragfähigem Mauerwerk/Beton befestigen. Bei Lochstein Siebhülse verwenden. Dichtbänder und Anschlussprofil montieren.
- 7. Rinne/Traufträger: Frontträger mit integrierter Rinne setzen, Rinnengefälle 3 - 5 mm pro Meter, Fallrohranschluss vorsehen.
- 8. Pfosten und Sparren: Pfosten auf Träger schrauben, höhenjustieren. Sparren im geplanten Abstand befestigen, Verbinder korrosionsgeschützt wählen.
- 9. Dach: Glas mit Systemprofilen und Dichtungen klemmen, Saugheber nutzen, keine Punktlasten. Stegplatten mit Kalotten und Abschlussprofilen verschrauben, Längsstegrichtung zur Traufe.
- 10. Entwässerung: Fallrohr DN75 - DN100 montieren, auf Sickerschacht/Zisterne führen. Spritzwasserzone am Haus prüfen.
- 11. Abdichtung: Wandanschlussleisten mit EPDM, Kompriband oder Dichtmasse fachgerecht schließen. Probeberegnung durchführen.
- 12. Elektrik optional: LED-Schienen IP65, Steckdosen, Heizstrahler über separaten FI/LS, Fachbetrieb einbeziehen.
Montagezeit: 2 Personen, 1 - 2 Tage für Fundamente plus 1 - 2 Tage für Aufbau bei Bausätzen. Eigenbau aus Holz ist aufwendiger.
Akustik, Hitzeschutz, Beschattung und Zubehör
Ohne Sonnenschutz heizen sich Glas- und Polycarbonatdächer stark auf. Planen Sie Beschattung von Anfang an.
- Unterglasmarkise: effektiv, witterungsgeschützt, elektrisch oder manuell. Maßanfertigung notwendig.
- Senkrechtmarkisen/Seitenwände: Windschutz und seitlicher Sonnenschutz, auf Statik der Pfosten achten.
- Polycarbonat Heatstop oder Sonnenschutzglas: reduziert IR-Einstrahlung, macht die Fläche nutzbarer im Sommer.
- Akustik: Glas ist leiser bei Regen als Stegplatten. Bei großer Fläche kann ein Akustik-Segel unter dem Dach helfen.
- Zubehör: LED-Stripes in Profilnut, Spots, Infrarot-Heizstrahler 1,5 - 2 kW mit Sicherheitsabstand, Steckdosen IP44.
Kosten und Budget in Deutschland 2026
- Alu-Bausatz 3 x 3 m mit Polycarbonat: 1500 - 3500 EUR.
- Alu mit VSG-Glas: 3000 - 6000 EUR bei 3 x 3 m, 5000 - 9000 EUR bei 5 - 6 x 3 m.
- Holz Eigenbau (BSH/KVH) Material: 1200 - 2500 EUR bei 3 x 3 m, abhängig von Querschnitten und Beschlägen.
- Stahlkonstruktion individuell: 5000 - 12000 EUR je nach Spannweite und Oberfläche.
- Fundamente: 300 - 1000 EUR Material/Leistung, je nach Anzahl und Boden.
- Montage durch Fachbetrieb: 150 - 250 EUR/m2 oder 800 - 2000 EUR pauschal für Standardgrößen.
- Beschattung: Unterglasmarkise 800 - 2500 EUR, Senkrechtmarkise 400 - 1200 EUR pro Seite.
- Seitenelemente/Glasschiebe: 800 - 3000 EUR pro Seite.
- Elektrik/LED/Heizer: 150 - 600 EUR für Licht, 200 - 500 EUR für Heizer plus Elektroinstallation.
- Statiknachweis: 200 - 600 EUR.
- Genehmigungsgebühren: 100 - 600 EUR, je Kommune.
Sparmöglichkeiten: Bausatz in Standardbreite, Montage in Eigenleistung, Polycarbonat statt Glas. Nicht sparen an Statik, Fundamenten und Abdichtung.

Wartung und typische Fehler vermeiden
- Holzpflege: alle 2 - 4 Jahre lasieren/ölen, horizontale Flächen besonders schützen.
- Alu/Stahl: reinigen, Entwässerungsöffnungen frei halten, Beschichtung prüfen, Kratzer ausbessern.
- Dach: Laub und Schmutz entfernen, Stegplatten nicht mit Lösungsmitteln reinigen, Glas mit weichen Pads.
- Rinne/Fallrohr: Laubfang einsetzen, jährlich spülen.
- Verschraubungen: nach dem ersten Winter nachziehen, dann jährlich prüfen.
- Dichtungen: EPDM-Profile inspizieren, verschlissene Dichtlippen tauschen.
Typische Fehler:
- Zu geringe Dachneigung - Rückstau und Tropfkantenversagen.
- Fundamente nicht frostfrei - Pfosten kippen.
- Wandanker in Dämmung - Tragversagen und Wassereintritt.
- Falsche Plattenmontage - Stegplatten quer, Kondensatprobleme.
- Entwässerung aufs Nachbargrundstück - Rechtsstreit.
- Unterschätzte Schneelast/Wind - Durchbiegung, Schäden.
Podsumowanie
- Neigung 5 - 10 Grad, Pfostenabstand 2,5 - 3,5 m, frostfreie Fundamente.
- Material passend wählen: Alu wartungsarm, Holz günstig, Stahl für große Spannweiten.
- Wandanschluss fachgerecht mit EPDM/Kompriband, Entwässerung planen.
- Beschattung gleich mitdenken, sonst Hitzestau.
- Genehmigung/Abstände beim Bauamt klären, Statik bei Glas sichern.
- Echte Kosten: 1500 - 9000 EUR plus Zubehör und Montage.
FAQ
Welche Dachneigung ist bei einer Terrassenüberdachung sinnvoll?
Bewährt sind 5 - 10 Grad. Damit laufen Regen und Schmutz zuverlässig ab, Glasprofile bleiben dicht und die Rinne arbeitet effektiv.
Glas oder Polycarbonat - was ist besser?
Glas ist langlebig, kratzfest und leiser, aber schwerer und teurer. Polycarbonat ist leichter, günstiger und hagelfest, kann aber schneller verkratzen und ist lauter bei Regen.
Benötige ich eine Baugenehmigung?
Kommt auf Bundesland, Größe und Lage an. Klären Sie es vorab beim Bauamt. Abstandsflächen und Bebauungsplan sind häufig entscheidend, Glasdächer brauchen oft eine Statik.
Wie tief müssen die Fundamente sein?
In Deutschland frostfrei: 80 - 90 cm Tiefe sind Standard. Größe je nach Last, typischerweise 35 - 40 cm Kantenlänge pro Punktfundament.
