wtorek, 20 stycznia

Trittschalldämmung im Altbau: Bodenaufbau, Materialien, Aufbauhöhen und Kosten

Warum Trittschalldämmung im Altbau dringend nötig ist

Knirschende Dielen, polternde Schritte und vibrierende Decken sind im Altbau Alltag. Ursache sind leichte Holzbalkendecken, fehlende Entkopplung und harte Bodenbeläge. Das Ergebnis: hoher Trittschall, der in die Wohnung darunter übertragen wird.

Technisch relevant ist der bewertete Norm-Trittschallpegel L’n,w in dB. In Bestandsgebäuden der Vorkriegs- oder Nachkriegszeit liegen Werte oft bei 65-75 dB. Sinnvolles Ziel bei einer Sanierung: unter 58-60 dB kommen. Komplett auf Neubauniveau (DIN 4109-1: 53 dB und darunter) schafft man im Bestand nur mit konsequentem Aufbau.

Die gute Nachricht: Bereits 10-25 mm schlaue Schichtenfolge und saubere Entkopplung reduzieren Geh- und Rollgeräusche deutlich. Wichtig sind ein realistischer Aufbau (Türhöhen, Sockelleisten, Statik) und die Wahl der Materialien passend zur Decke.

Material typ. ΔLw Aufbauhöhe Preis/m2
Holzfaser-Unterlage 18-22 dB 5-10 mm 5-12 €
Gummi-/PU-Granulat 20-28 dB 6-10 mm 10-20 €
Kork 16-20 dB 4-8 mm 6-14 €
Aufbau eines schallgedämmten Holzbodens im Altbau mit geringer Aufbauhöhe und sauberer Randentkopplung
Trittschalldämmung unter Dielen reduziert Geräusche in Altbauwohnungen.

Typische Bodenaufbauten im Altbau

Holzbalkendecke mit Dielen

Aufbau häufig: Dielen auf Lagerhölzern, darunter Hohlräume zwischen Balken, oft ohne oder mit leichter Füllung. Schall wandert über starre Verbindungen (Dielen-Lagerholz-Balken-Decke).

  • Verbesserung ohne Komplettumbau: schwimmender Aufbau über dem Bestand. Beispiel: 6-10 mm Gummigranulat-Unterlage, darauf 18-25 mm Trockenestrich-Elemente (verklebt/verschraubt), darauf Klickparkett oder Massivdielen schwimmend. Alle Ränder mit Randdämmstreifen entkoppeln.
  • Verbesserung mit Decköffnen: Gefache mit schwerer Schüttung (z. B. Blähschiefer, Lehmgranulat) oder Holzfaser stopfend füllen, Lagerhölzer elastisch auf Balken entkoppeln (Elastomer-Streifen), neue Lastverteilungsebene (Trockenestrich) schwimmend auf Dämmunterlage. Höhere Wirkung, aber mehr Aufwand und Statik prüfen.

Betondecke im Altbau (50er-70er)

Hier ist Trittschall vor allem ein Thema, wenn harter Belag direkt auf dem Estrich liegt. Lösung ist der schwimmende Boden:

  • Dämmmatte 5-10 mm (Gummi oder Holzfaser), darauf zweilagige Trockenestrichplatten (z. B. 2 x 12,5 mm im Verbund) oder Nassestrich (35-45 mm) mit Randdämmstreifen, abschließend Belag.
  • Bei geringem Aufbaubedarf: Hochleistungsunterlagen 3-5 mm unter Klick-Belag. Effekt geringer, aber oft ausreichend für Alltagsgeräusche.

Dielen erhalten oder ersetzen?

Erhaltenswerte Massivdielen können auf entkoppelten Lagerhölzern weiterverwendet werden. Alternative: Dielen aufnehmen, instandsetzen, schwimmend neu auf Trockenestrich verlegen. Auf Durchdringungen achten: Schrauben dürfen die Entkopplungsschicht nicht mit der Unterkonstruktion „kurzschließen”.

Planung: Aufbauhöhe, Gewicht und Details

  • Aufbauhöhe: realistische Bandbreite für Sanierungen 15-35 mm (Unterlage + Trockenestrich + Belag). Türen, Sockelleisten, Treppenkanten prüfen.
  • Gewicht: Holzbalkendecken mögen Leichtbau. Trockenestrich liegt bei ca. 20-25 kg/m2 (bei 25 mm). Schüttungen nur nach Statikbewertung. Im Zweifel Fachstatiker einbinden.
  • Randdämmstreifen: umlaufend 5-10 mm, bis Oberkante Belag, später bündig schneiden. Verhindert Schallbrücken.
  • Installationen: Leitungen nicht starr im schwimmenden Aufbau fixieren. Rohrdurchführungen mit Manschetten/Weichzonen führen.
  • Feuchte: Untergründe trocken, Dielen lose knarrfrei verschrauben. Bei Nassestrich Trocknungszeiten einplanen.

Materialien im Überblick: Vor- und Nachteile

Holzfaser-Unterlagen

Pro: diffusionsoffen, gute Flächenlastverteilung, ökologische Option. Contra: empfindlicher gegen punktuelle Feuchte. Einsatz unter Parkett/Dielen, teils auch unter Trockenestrich. Kosten: 5-12 €/m2.

Gummi-/PU-Granulat-Matten

Pro: hohe Trittschallminderung bei geringer Dicke, unempfindlich, langlebig. Contra: chemischer Geruch anfangs möglich, auf Eignung mit Naturböden achten. Kosten: 10-20 €/m2.

Kork

Pro: natürlich, elastisch, gute Grunddämpfung. Contra: nicht die höchste ΔLw, kann unter schweren Punktlasten nachgeben. Kosten: 6-14 €/m2.

Trockenestrich-Elemente

Pro: Masse und Versteifung ohne Nässe, schnell belegreif, gut kombinierbar mit Unterlagen. Contra: Zusatzgewicht, sauberer Verlegeplan nötig. Kosten: 20-35 €/m2.

Schüttungen und Gefachdämmung

Pro: Hohlraumresonanzen reduzieren, Masse oder Bedämpfung im Gefach. Materialien: Lehm-/Blähschiefer-Schüttung, Holzfaser- oder Mineralwolle. Contra: statische Last und Aufbauzeit. Kosten: 8-25 €/m2 Gefachfläche (abhängig von Höhe).

Randdämmstreifen und Dichtbänder

Klein, aber entscheidend: 0,50-1,50 €/m. Ohne sie entstehen Schallbrücken.

Schritt-für-Schritt: Trittschalldämmung nachrüsten

Variante A: Holzbalkendecke ohne Öffnen

  • 1. Bestandsprüfung: knarrende Dielen verschrauben, lose Bretter fixieren. Unebenheiten mit Ausgleichsmasse für Holzuntergründe oder Trocken-Ausgleich ausgleichen.
  • 2. Randdämmstreifen setzen: umlaufend an alle Wände, Leitungen, Stützen.
  • 3. Dämmunterlage: Gummigranulat 6-10 mm vollflächig, Stöße dicht gestoßen, keine Kreuzfugen.
  • 4. Lastverteilung: Trockenestrich-Elemente (z. B. 18-25 mm) nach Verlegeplan, Stufenfalz verkleben und verschrauben, Fugen versetzen.
  • 5. Belag: Parkett/Dielen schwimmend oder verklebt je nach System. Sockelleisten mit Wand, nicht mit Boden verbinden.

Variante B: Holzbalkendecke mit Gefachsanierung

  • 1. Dielen sorgfältig aufnehmen, beschriften.
  • 2. Gefache prüfen: Schüttung ergänzen oder durch schwere Schüttung ersetzen, Alternativ Einblasdämmung zur Bedämpfung.
  • 3. Lagerhölzer elastisch auf Balken legen (Elastomer-Streifen), ausrichten.
  • 4. Neue Tragschicht: Trockenestrich schwimmend über Unterlage, wie oben.
  • 5. Dielen als Sichtbelag? Dann auf separater Entkopplungsebene schwimmend verlegen, nicht in die Balken schrauben.

Variante C: Betondecke

  • 1. Ebenheit prüfen und ausgleichen.
  • 2. Randdämmstreifen umlaufend.
  • 3. Dämmunterlage 5-10 mm, darauf zweilagiger Trockenestrich (versetzte Fugen) oder dünner Fließestrich mit Mindestdicke und Systemzulassung.
  • 4. Belag nach Freigabe verlegen.

Praxis-Tipps:

  • Türblätter kürzen oder Zargen unterlegen rechtzeitig einplanen.
  • Schwere Möbel mit weichen Filzgleitern entkoppeln.
  • Haustechnik (z. B. Heizungsrohre) nicht am schwimmenden Boden fixieren.
Schichtaufbau mit Unterlage und Trockenestrich als schwimmender Boden im Sanierungsprojekt
Schwimmender Bodenaufbau: Unterlage, Trockenestrich, Belag.

Kosten und Zeitaufwand

Materialpreise (Deutschland, 2025, Richtwerte):

  • Dämmunterlage: 3-25 €/m2 (Holzfaser/Kork am unteren, Gummigranulat am oberen Ende)
  • Trockenestrich: 20-35 €/m2
  • Schüttung/Gefachdämmung: 8-25 €/m2 Gefachfläche (abhängig von Höhe/Dichte)
  • Randdämmstreifen, Kleber, Kleinteile: 2-4 €/m2
  • Oberbelag: Parkett/Dielen 35-90 €/m2, Klick-Vinyl 20-45 €/m2

Arbeitskosten (Handwerk): 35-60 €/m2 für Untergrund, Unterlage, Trockenestrich; Belagsverlegung zusätzlich 20-45 €/m2 je nach Material.

Beispiel 20 m2 Zimmer, Variante A (Unterlage + Trockenestrich + Klickparkett):

  • Material gesamt: ca. 1.800-2.800 €
  • Arbeitskosten: ca. 1.200-2.100 €
  • Summe: 3.000-4.900 € inkl. MwSt.

Zeitbedarf: DIY an einem Wochenende machbar (2 Personen), mit Profi 1-2 Tage je nach Ausgleich und Zuschnitt.

Häufige Fehler und wie man sie vermeidet

  • Keine Randdämmstreifen: führt zu Schallbrücken. Immer umlaufend einbauen.
  • Durchdringungen: Schrauben/Nägel, die schwimmende Schichten mit der Rohkonstruktion verbinden, zerstören den Effekt.
  • Ungeeignete Unterlagen: weiche Schäume unter Massivdielen können pumpen. Systemfreigaben beachten.
  • Unebenheiten ignorieren: Hohllagen knarren und mindern den Schallschutz. Ebenheit nach DIN 18202 prüfen.
  • Gewicht übersehen: schwere Schüttungen ohne Statikprüfung vermeiden.

Mietrecht und WEG-Praxis

  • Mietwohnung: Austausch von Bodenbelägen ist meist erlaubt, Eingriffe in die Deckenkonstruktion nicht ohne Zustimmung. Ruhezeiten und Staubschutz beachten.
  • WEG: In Teilungserklärungen ist oft ein Mindestschallschutz gefordert. Bei Austausch harter Beläge ist eine gleichwertige Trittschalldämmung Pflicht. Nachbarn frühzeitig informieren.

Prüfen und Nachweisen

  • Quick-Check: Geh-Test vor und nach der Sanierung in der darunterliegenden Wohnung. Subjektiv, aber aussagekräftig.
  • Messung: Normmessung L’n,w nur mit Fachbüro. Sinnvoll bei WEG-Streitfällen oder hochwertigen Ausbauten.
  • Dokumentation: Fotos der Schichtenfolge, Produktdatenblätter mit ΔLw-Werten und Verlegepläne aufbewahren.

Podsumowanie

  • Ziel definieren: leise Schritte vs. Neubauniveau - entsprechender Aufbau wählen.
  • Aufbauhöhe und Statik prüfen, Türen und Sockel mitplanen.
  • Randdämmstreifen und durchgängige Entkopplung sind Pflicht.
  • Unterlage + Trockenestrich liefern bei wenig Höhe die beste Wirkung.
  • Material- und Arbeitskosten realistisch: 150-250 €/m2 komplett sind üblich.

FAQ

Bringt eine dünne Unterlage unter Klickboden allein genug?

Für Alltagsgeräusche oft spürbar besser, aber ohne zusätzliche Masse (z. B. Trockenestrich) bleibt Restübertragung. Für Mehrfamilienhäuser meist Kombination wählen.

Kann ich auf einer Holzbalkendecke Nassestrich verwenden?

Selten sinnvoll: Feuchte, Gewicht und Trocknungszeiten sprechen dagegen. Trockenestrich ist im Altbau die bewährte Lösung.

Wie viel dB Verbesserung sind realistisch?

Bei schwimmendem Aufbau aus Unterlage + Trockenestrich + Belag sind 8-12 dB am gesamten Aufbau realistisch, bei kompletter Gefachsanierung mehr.

Muss ich die Dielen komplett entfernen?

Nein. Häufig reicht ein schwimmender Aufbau darüber. Nur bei gravierenden Schäden oder für maximale Wirkung Dielen aufnehmen und Gefache behandeln.